Forschung

RECOMENT erforscht, wie das Konzept der Resilienz sinnvoll in inter- und transdisziplinären Zusammenhängen genutzt werden kann – jenseits von Modebegriffen und vereinfachenden Zuschreibungen.

Uns ist bewusst, dass die breite Verwendung des Begriffs viele Chancen, aber auch Risiken birgt. Gerade in den Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften sehen wir jedoch großes Potenzial: Resilienz kann dort helfen, komplexe gesellschaftliche, ökologische und kulturelle Entwicklungen besser zu verstehen – nicht als Eigenschaft einzelner Individuen, sondern als dynamisches Zusammenspiel von Stabilität und Wandel.

RECOMENT verfolgt deshalb einen innovativen Ansatz: Wir denken Resilienz als Beobachtungsperspektive (Heuristik), um Prozesse auf mehreren Ebenen (z. B. bio-kulturell, sozio-ökologisch, historisch) neu zu analysieren – ohne dabei lineare oder zielgerichtete Entwicklungsvorstellungen vorauszusetzen. Unser Blick richtet sich auf Spannungen, Widersprüche und Wechselwirkungen zwischen Kontinuität und Diskontinuität.

Zentrale Fragen von RECOMENT sind:

  • Welche Resilienzbegriffe sind in welchem Kontext analytisch hilfreich?
  • Wie lassen sich unterschiedliche wissenschaftliche Perspektiven sinnvoll miteinander verbinden?

Dabei unterscheiden wir drei zentrale Forschungsfelder:

  1. Intervenierende vs. beschreibende (empirische) Ansätze
  2. Individuelle vs. gesellschaftliche Konzepte von Resilienz
  3. Unterschiedliche theoretische und methodische Interessen

Unsere bisherigen Forschungserfahrungen – unter anderem aus dem DFG-Verbund FOR 2539 „Resilienz“ und dem Leibniz-Kooperative Exzellenz-Projekt ReFadiP – zeigen: Resilienz eröffnet neue, bislang wenig genutzte Perspektiven auf komplexe Zusammenhänge und ist ein bedeutendes interdisziplinäres Forschungsthema.

RECOMENT bringt verschiedene Auffassungen von Resilienz zusammen – als analytisches Werkzeug, als wissenschaftliches Konzept, als Alltagserfahrung und als politische Kategorie. Unser Ziel: eine Forschung, die über Fachgrenzen hinauswirkt – mit Relevanz weit über das Thema Resilienz hinaus.

Das übergreifende Thema von RECOMENT ist die Frage, wie sich Methodologien, Methoden, Narrative und Theorien der Resilienz in den wissenschaftlichen Disziplinen unterscheiden und wie sie zu dem vernetzten semantischen, wissenschaftlichen, öffentlichen und politischen Feld der „Resilienz“ beitragen. Trotz zahlreicher Diskontinuitäten nimmt RECOMENT dieses Feld nicht als inhärent inkompatibel oder widersprüchlich wahr, sondern sucht nach produktiven Momenten und Verbindungen und deren inter- und transdisziplinären Potenzialen. So sieht das Arbeitsprogramm von RECOMENT vier als Querschnitte angelegte Themenfelder (TF) vor, die in vier Arbeitspaketen (AP) von allen beteiligten PIs bearbeitet werden: